Dagmar Mensink

Dagmar Mensink Dagmar Mensink, Vorsitzende des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim ZdK, zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"
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Gabriele Erpenbeck 

Europas Stärke und Zukunftsfähigkeit liegen in der Vielfältigkeit seiner Menschen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Talenten, Kulturen und Mentalitäten, auch wenn es in Geschichte und Gegenwart oft anders zu sein scheint. Diese Stärke zu erhalten, heißt alles zu tun, dass Unterschiede nicht für politische Interessen instrumentalisiert und zu drohenden Konflikten umgedeutet werden. 



Gabriele Erpenbeck
Vorsitzende des Gesprächskreises "Christen und Muslime" beim ZdK

Stefan Heße

Dr. Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"
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Matthias Dörr

Matthias Dörr, Bundesgeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde, zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"
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Elfriede Schießleder 

Stimme für Europa 

Kindheitserinnerung der 60er Jahre: um ins Kaffee nach Braunau, gleich hinter Simbach/Inn,  gelangen zu können, suchte Mutter alle Ausweise der Familie zusammen, legte sie sorgfältig im Fond des Autos auf und nach 10 Minuten Fahrt musterte ein Grenzbeamter unsere Gesichter ebenso intensiv  wie unsere Papiere. Die konzentrierte Spannung dieser Prozedur brannte sich mir ein. Das bloße Schild „Landesgrenze“ hatte meiner Existenz ihrer ganzen Selbstverständlichkeit beraubt. Rechtfertigung, ja fast Ablehnung war spürbar,  Grenze und Kontrollen haben unsere staatliche  Nachbarschaft nicht gerade gefördert.
 

Dafür aber die angeblich große Krise durch die Flüchtlinge, 2015. Das Überflutungsgebiet des Inn war mit Zelten gefüllt, auf der Brücke, unten am Fluss, überall Männer, Frauen, Kinder; viele Minderjährige, allein unterwegs. Ob nun Deutscher/Österreicher/Flüchtling - der Pass  war angesichts der Not obsolet geworden: Essen wurden gereicht, Äpfel, Hygieneartikel, Decken; Unterkünfte gesucht und Hilfen organisiert. Ein Lächeln, ein geteilter Keks, ein Platz für eine kurze Rast – das hatten Helfende, Grenzbeamte und Flüchtende gleichermaßen not – und bekamen es auch, in genau dieser Nachbarschaft! Wir schafften das. Gallig, was aus diesen drei Worten von manchen später gemacht wurde!

Ihr „Wir schaffen das.“ hatte mir die Kanzlerin sehr wertvoll gemacht: WIR – nicht irgendeine Behörde oder ein Apparat. WIR Menschen, unsere Hände, die zugreifen und bewältigten;  SCHAFFEN, d.h. wir langen zu – wie auch immer die Situation sich entwickelt. Zusammen war das unbestimmte DAS zu meistern, dessen Ausgang in dem Moment keiner kannte. Wie auch? Leben geschieht, während wir planen. Und genau da sind wir alle Menschen, zu allererst: Frauen und Männer und Kinder. Ebenbilder Gottes. Aufeinander verwiesen. Deshalb: Ja zu Europa, Ja zu unseren christlichen Werten! Staatliche Ordnung braucht ein menschliches Antlitz! 



Dr. Elfriede Schießleder
Stv. Vorsitzende im Landeskomitee der Katholiken in Bayern

Eva M. Welskop-Deffaa

Eva M. Welskop-Deffaa, Vorstand Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbandes, Freiburg und Berlin, zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"
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Wolfgang Klose

Europa – ohne Grenzen und Barrieren, auch im Bereich von Finanz, Handel und Dienstleistungen!

Was verbinden viele zuerst mit einem grenzenlosen Europa – eine Währung in allen Ländern: egal ob beim Ski fahren in Österreich, beim leckeren Essen am Plattensee, ein schmackhafter Wein an der Algarve-Küste oder Miete für das Tretboot in den Niederlanden. Alles bezahlen wir seit Jahrzehnt selbstverständlich mit dem Euro. Auch wenn dies nur ein kleines Zeichen der dafür ist, dass Europa mehr ist als Kleinstaaterei und nationale Eigeninteressen, so ist es doch ein Zeichen, dass uns liebgeworden ist und auf das wir nicht verzichten möchten. Aber es geht natürlich um mehr. Es geht um ein finanzpolitisches, abgestimmtes Miteinander in den unterschiedlichen Ländern unseres Europas. Wir haben wirtschaftlich potente und starke Länder, wir haben Länder, deren Wirtschaft sich entwickeln muss und wir haben Länder, deren Wirtschaft ins „Wanken“ geraten ist.

Wir müssen global denken, die Binnensicht auf nationale Märkte müssen wir auch weiterhin hinter uns lassen. Ein Europa ohne Grenzen und Barrieren bedeutet auch das Dienstleistungen und Handel „fließend werden“. Und das bedeutet auch, das wir sozialen Ungerechtigkeiten in anderen europäischen Ländern begegnen müssen. Denn auch das ist für mich Europa. Eine Staatengemeinschaft, die füreinander einsteht – die solidarisch und geschwisterlich miteinander umgeht. Nicht eigene Marktinteressen und Wirtschaftswachstums des eigenen Landes dürfen bestimmend sein. Mir ist klar, dass das nicht einfach ist und das dies von jedem einzelnen von uns Veränderungen verlangt.

Aber wir müssen weiter für Europa einstehen und uns für die europäische Idee engagieren. Wir brauchen ein starkes Europa, wir brauchen Frauen und Männer im europäischen Parlament die diese europäische Idee voranbringen und keine nationalistischen und eingrenzenden Ideen verwirklichen wollen. Machen wir dies deutlich mit unserer Teilnahme an der Europawahl. Nutzen wir unsere Stimme, um mitzuwirken und mitzuentscheiden. 



Wolfgang Klose

ZdK-Vizepräsident

Markus Ingenlath

Dr. Markus Ingenlath, Geschäftsführer und  Leiter der Abteilung Kommunikation und Kooperation bei Renovabis, zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"
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Maria Etl

Maria Etl, Bundesvorsitzende der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"
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Slavko Kessler

Demokratie in Europa stärken

 

Laut Theodor Heuss wurde Europa auf der Akropolis, Golgota und dem Kapitol gegründet. Die griechische Demokratie, die aus dem Judentum stammende christliche Religion und das römische Recht sind drei Grundsteine der europäischen Identität. Wenn unsere Vorfahren von diesen Grundwerten abwichen, entstanden verheerende Kriege, erbärmliches Elend und kultureller Verfall.

Fast 75 Jahre genießen wir auf unserem schönen Kontinent Frieden, Freiheit und Wohlstand. Wir und künftige Generationen werden durch die Digitalisierung, Globalisierung und den Klimawandel immer stärker herausgefordert. Kein europäischer Staat ist in der Lage, anstehende Schwierigkeiten alleine zu bewältigen. Nur in einem europäischen Zusammenschluss besteht die realistische Chance, Menschenwürde, Selbstbestimmung und Sozialstaatlichkeit zu verwirklichen.

Die Europäische Union wurde zuvörderst als ein einheitlicher Wirtschaftsraum konstituiert. Die Wirtschaft boomt, doch die Profiteure sind fast ausschließlich Kapitalbesitzer. Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Die Gewaltenteilung wurde nur auf Staatsebene realisiert: das Europäische Parlament hat kein Initiativrecht. Die wichtigsten Entscheidungen werden im Europarat beschlossen und anschließend in der Bürokratie der Europäischen Kommission durchgesetzt. Die Europäische Union ist de facto eine Konföderation der Regierungen. Nicht selten weit weg von der Lebensrealität ihrer Staatsbürger. 

Das Konstrukt der europäischen Nationalstaaten hat ausgedient. Europäer müssen enger zusammenrücken, wenn sie wirtschaftlich, wissenschaftlich und technologisch im Wettbewerb mit den USA und China bestehen möchten. 

Ich bitte Sie, an der Europawahl teilzunehmen und mit Ihrer Stimme jene Kandidaten zu unterstützen, die sich für die Stärkung des Europäischen Parlaments sowie die Bildung einer effektiven Europäischen Regierung einsetzen möchten. Die Europäische Union soll eine echte res publica werden! 

Slavko Kessler

Bundespastoralrat der Katholiken anderer Muttersprache

Malu Dreyer

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz von der SPD, zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"

Monika Grütters 

Offenheit für Vielfalt macht Europa im Kern aus

 

„Die Jungfer Europa ist verlobt 

Mit dem schönen Geniusse 

Der Freiheit, sie liegen einander im Arm, 

Sie schwelgen im ersten Kusse.“ 

 

Es war der Dichter Heinrich Heine, der 1843 in diesen Versen ein Europa der Freiheit beschwor - in einer Zeit, in der ein geeintes Europa undenkbar schien und „Franzosen­freund“ als üble Beleidigung galt. Was für Heinrich Heine ein Traum, ja eine ferne Utopie war, erscheint uns heute allzu selbstverständlich. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass ein in Frieden und Freiheit geeintes Europa überzeugte Europäerinnen und Europäer braucht.

 

Strahl- und Überzeugungskraft entfaltet Europa nicht allein durch Vorteile, die der prosperierende EU-Binnenmarkt für europäische Unternehmen bringt oder durch die Möglichkeit, im wahrsten Sinne grenzenlos von Malmö nach Malaga zu reisen, sondern auch und gerade als Wertegemeinschaft. Denn Europa steht für eine zivilisatorische Errungenschaft, die sich nach dem unfassbaren Leid zweier Weltkriege vermutlich nicht einmal die visionären Unterzeichner der Römischen Verträge hätten träumen lassen: Wir Europäerinnen und Europäer haben es geschafft, das Gemeinsame über das Trennende 
 zu stellen und eben dadurch unterschiedlichen Kulturen und Religionen, Traditionen und Träumen, Lebensentwürfen und Weltanschauungen eine Heimat zu bieten. 

Diese Offenheit für Vielfalt macht Europa im Kern aus - ihr verdanken wir Freiheit, Frieden und Wohlstand. Diese Offenheit macht Europa zu einem Sehnsuchtsort, für den Menschen außerhalb der EU unter europäischer Flagge auf die Barrikaden gehen, wie etwa 2013 und 2014 auf dem Kiewer Majdan. Doch diese Offenheit ist heute in Gefahr, wenn ein längst überwunden geglaubter Nationalismus, der auf Abschottung und Ausgrenzung setzt, Beifall findet. Heinrich Heines Traum von einem Europa der Freiheit braucht deshalb immer noch und immer wieder überzeugte Europäerinnen und Europäer, die für Europas Werte und Errungenschaften einstehen - nicht zuletzt mit ihrer Stimme für eine demokratische Partei bei der Europawahl am 26. Mai. 

 

 

Prof. Monika Grütters MdB

Staatsministerin für Kultur und Medien

Thomas Sternberg

Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zum ZdK-Projekt "Europa stimmt"

Brigitta Herrmann

Wahlbeteiligung wichtig

 

Es ist wichtig, an der Europawahl teilzunehmen, da vieles, was Deutschland und die ganze Welt betrifft, auf europäischer Ebene entschieden wird. Und da ist eine demokratische Kontrolle durch das europäische Parlament sehr wichtig.

 

Europa kann zum Überleben auf dieser Erde durch geeignete Maßnahmen und eine Führungsrolle bei internationalen Klimaverhandlungen beitragen – oder auch nicht.

 

Europa kann zu einer gerechteren Welt und zu einer guten Entwicklung der ärmsten Menschen in Entwicklungsländern durch eine geeignete Ausgestaltung der internationalen Handelsbeziehungen beitragen – oder auch nicht.

 

Europa kann konsequent die eigenen Menschenrechtsstandards in allen Politikbereichen umsetzen – oder auch nicht.

 

Es kommt auf jeden und jede Einzelne an, Verantwortung wahrzunehmen und sich an der Wahl am 26. Mai 2019 zu beteiligen.

 

Prof. Dr. Brigitta Herrmann

Maria Flachsbarth, MdB 

Dr. Maria Flachsbarth MdB, von der CDU ist die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes und fordert, dass wir uns bei der Wahl am 26. Mai zu dem "Friedensprojekt Europa" bekennen.

Gerd Müller   

Es geht nicht nur um Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität in Europa

Als Entwicklungsminister bin ich viel in der Welt unterwegs. Immer wieder erlebe ich: Das europäische Modell hat weiterhin große Strahlkraft. Europa ist und bleibt für viele Menschen ein Sehnsuchtsort, mit seinem Wohlstand, seinem gesellschaftlichen Frieden und seinen politischen Freiheiten. 

All dies wurde nach dem 2. Weltkrieg in vielen einzelnen Schritten erarbeitet. Heute gilt es, all dies zu erhalten und weiterzuentwickeln. Gelingen wird das nur, wenn die Europäische Union nach innen gestärkt wird und ihre Wirtschafts- und Friedensmacht auch in anderen Teilen der Welt dafür einsetzt, auf Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität hinzuwirken. 

Wir leben nicht auf einer Insel! Wir haben erlebt, wie die Folgen von Krieg und Terror, von Klimawandel und Migration auch unseren Kontinent treffen. Nur wenn es unseren Nachbarn gut geht, wird es langfristig auch uns gut gehen: Diese Erkenntnis hat uns in Europa stark gemacht. Wir brauchen auch künftig ein starkes Europa – gemeinsam können wir die Herausforderungen bewältigen. 

Europa muss seinem Nachbarkontinent Afrika einen neuen Stellenwert einräumen – finanziell wie auch politisch

  • Afrikas Bevölkerung wird sich bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln auf dann 2,5 Milliarden Menschen – große Herausforderungen für mehr Arbeitsplätze, Ernährung, Bildung, Gesundheit, Infrastruktur. Und nur mit einem starken und stabilen Afrika wird es auch Europa gut gehen. 

Europa muss klimafreundliche Entwicklung weltweit vorantreiben: 

  • Denn entscheiden wird sich die Zukunft unseres Klimas in Entwicklungs- und Schwellenländern – dort wächst die Bevölkerung, dort leben noch immer Hunderte Millionen ohne Strom. Wir können und müssen helfen, Energieversorgung, Landwirtschaft, Städte klimafreundlich auszurichten.

Europa muss Vorreiter sein bei nachhaltigen und fairen Lieferketten: 

  • Umweltzerstörung, Zwangs- und Kinderarbeit in Entwicklungsländern stecken in vielen Produkten, die wir hier kaufen: vom Kaffee bis zum T-Shirt, von der Banane bis zum Mobiltelefon. Das können wir nicht länger hinnehmen! Mit Initiativen wie dem Textilbündnis setzt Deutschland Maßstäbe für bessere Arbeitsbedingungen weltweit. Hier muss auf europäischer Ebene dringend mitgezogen werden!


Und so geht es bei der kommenden Europawahl nicht nur um Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität in Europa, sondern auch weit darüber hinaus. 



Dr. Gerd Müller, MdB, CSU
Entwicklungsminister

© Bild: BMZPhotothek

Tim Kurzbach   

Nutzen Sie Ihr Stimmrecht, gehen Sie wählen

Zur Teilnahme an der Europa-Wahl am 26. Mai gibt es keine Alternative. Wer keiner demokratischen Partei seine Stimme gibt, unterstützt – auch als Nicht-Wähler – nationalistische und populistische Strömungen, die all das zerstören, was die 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Europäische Union mühsam aufgebaut hat: offene Grenzen, Wirtschafts- und Währungsunion. 

 

Auch wir Solingerinnen und Solinger, deren Wurzeln übrigens in 140 verschiedenen Ländern liegen, beteiligen uns an diesem Friedensprojekt

  • mit acht Städtepartnerschaften,
  • mit internationalen Geschäfts- und kulturellen Beziehungen,
  • mit der Bewerbung der Müngstener Brücke zum Unesco-Weltkulturerbe – im Verbund mit anderen europäischen Städten,
  • mit Klima-Partnerschaften, durch die wir globale Verantwortung in der Welt übernehmen.

 

Den Frieden zu bekräftigen, war erklärtes Ziel derjenigen, die 1957, also zwölf Jahre nach dem Ende des grauenvollen Zweiten Weltkriegs, ganz bewusst begonnen haben, wieder Kontakt miteinander aufzunehmen. Dieses Erbe verpflichtet uns, für Europa und für die EINE Welt einzustehen, die von Frieden und Gerechtigkeit lebt. Und diese Vision der Grenzenlosigkeit lebt von der Kunst der kleinen Schritte, die wir schon hier in Solingen gehen – als patentierte Klingenstadt, die Weltruhm genießt und zugleich ihre Verantwortung für Nachhaltigkeit und künftige Generationen ernst- und wahrnimmt.

 

Wollen wir wirklich wieder Grenzen, mit Zöllen, Ausweiskontrollen und Geldwechselstuben? Wollen wir wieder eine harte Grenze zwischen Nordirland, Europa, und Großbritannien, Ex-Europa? Wollen wir uns gegenseitig wieder ausladen aus unserem Land? Wollen wir uns nicht lieber gegen die Ausgrenzung stellen und  gemeinsam und selbstbewusst ein grenzenloses Europa vertreten?

 

Je lauter der Mob brüllt, desto wichtiger ist die Stimme der Vernunft. Deshalb: Nutzen Sie Ihr Stimmrecht, gehen Sie wählen – auch und gerade am 26. Mai! Denn nur mit Europa haben wie eine gemeinsame Heimat, die stärker ist als ihre kleineren Einheiten.

Tim Oliver Kurzbach, SPD
Oberbürgermeister der Klingenstadt Solingen 

Julia Klöckner, MdB 

Bundesministerin Julia Klöckner von der CDU fordert, Europa gemeinsam voranzubringen, die Stärken auszubauen und die Schwächen zu bearbeiten.

Reiner Haseloff   

 Europa geht uns alle an! 

 

Am 26. Mai 2019 finden in Deutschland die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Ihr Ausgang ist von sehr großer Bedeutung für die Zukunft der Europäischen Union. Bleibt die Union das große Friedensprojekt oder droht sie zu scheitern? 70 Jahre Frieden sind zwar eine großartige Erfolgsbilanz, aber es gibt auch Anlass zur Sorge. Die Flüchtlingskrise, ein grassierender Populismus und der Brexit haben vermeintliche Gewissheiten radikal infrage gestellt. 

Die europäische Integration und ihre beispiellose Erfolgsgeschichte nach 1945 müssen wieder stärker in den öffentlichen Fokus rücken und auf der Agenda von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und der Zivilgesellschaft stehen. Darüber hinaus sind europäische Entscheidungsprozesse transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten. Dazu gehören auch die Prüfung der Kompetenzverteilung und die strikte Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips. 

Europa ist nicht eine Angelegenheit der Exekutiven und Eliten. Europa geht uns alle an! Deshalb ist es wichtig, im Mai wählen zu gehen und seine Stimme für ein demokratisches, pluralistisches und starkes Europa abzugeben. Das ist der europäische Weg. Er baut auf geschichtlichen Lehren und jahrzehntelangen Erfahrungen auf. Nach wie vor gilt, was der Europäische Rat in seiner Berliner Erklärung 2007 formulierte: „Wir stehen vor großen Herausforderungen, die nicht an nationalen Grenzen halt machen. Die Europäische Union ist unsere Antwort darauf.“ Nur eine starke und handlungsfähige EU kann den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden und ihre Werte sowie Interessen international wirksam vertreten. Nur gemeinsam gewinnen oder erhalten wir unsere Handlungsfähigkeit.
 

Unabhängig von der Frage der Finalität: Zur europäischen Integration wird es auch im 21. Jahrhundert keine Alternative geben. Sie war nach 1945 die überzeugende Antwort auf die europäischen Konflikte, und sie ist zu Beginn des neuen Jahrhunderts eine ebenso überzeugende Antwort auf die drängenden Probleme der Gegenwart. 

Dr. Reiner Haseloff, CDU

Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

Wolfgang Thierse   

 Für ein gemeinsames demokratisches Europa

Das „Jahr der Wunder“ 1989/90 war nicht nur das Jahr der Friedlichen Revolution und der Deutschen Wiedervereinigung. Es eröffnete auch den Weg in die Wiedervereinigung Europas. Das war doch meine und unsere – ostdeutsche – Sehnsucht in den Jahren und Jahrzehnten zuvor gewesen: In einem gemeinsamen Land, auf einem gemeinsamen Kontinent leben zu können – ohne die brutalen Grenzen, ohne die Unfreiheiten und Ungerechtigkeiten, ohne die ständigen Drohungen gegeneinander mit immer gefährlicheren Waffen! 
Wir haben es in die Präambel des Deutschen Einigungsvertrages hineingeschrieben: Die deutsche Vereinigung sollte ein Teil der europäischen Vereinigung sein und ohne diese, das meinten wir, kann sie nicht wirklich gelingen. Es gibt kein dauerhaftes deutsches Glück ohne das Glück unserer europäischen Nachbarn! Es gibt keine deutsche Wohlfahrt ohne die Wohlfahrt unserer Nachbarn! Das ist unsere historische Erfahrung aus den vergangenen Jahrhunderten. Und das gilt auch heute und erst recht angesichts von neuen nationalen Egoismen, von neuem Populismus und Nationalismus. 
Früher sind Demokratien auf gewaltsamem Wege zerstört worden, heute ist die Gefahr groß, dass dies auf demokratische Weise, durch Wahlen und ihre Folgen, geschieht – wie ein Blick in die heutige Welt ringsum zeigt. „Illiberale Demokratien“, autoritäre Regime und Diktaturen sind auf dem Vormarsch. Unsere rechtsstaatliche, freiheitliche Demokratie ist nicht mehr so selbstverständlich und gesichert, wie wir vor drei Jahrzehnten gedacht und erhofft haben. 
Gegen die Gefährdungen das gemeinsame demokratische Europa zu verteidigen, darum geht es – auch bei den Europawahlen am 26. Mai. 


Bundestagspräsident a. D. Dr. h.c. Wolfgang Thierse MdB a.D., SPD

Martin Kastler 

Martin Kastler von der CSU gehörte von 2008 bis 2014 dem Europäischen Parlament an und freut sich, am 26. Mai wählen gehen zu dürfen. Er ist überzeugt, dass Europa unsere Erfolgsgeschichte ist.

Ulrich Hemel 

Europa ist unsere Zukunft!

In einer zunehmend vernetzten und digitalen Welt wird Europa immer wichtiger. Denn große Herausforderungen können wir nur gemeinsam bewältigen. Für uns in Europa ist weder eine hemmungslose digitale Kommerzialisierung wie in den USA mit Firmen wie Facebook, Google, Amazon und Apple noch eine digitale Staatsbürokratie wie in China erstrebenswert, wo alle Bürger und Bürgerinnen gemäß erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen in ein soziales Punktesystem eingeordnet werden. Wir in Europa wünschen uns vielmehr so etwas wie eine digitale Balance, bei dem das Recht auf digitale Souveränität und Personalität ergänzt wird durch gesetzliche Bestimmungen, die uns beispielsweise aufzeigen, wann wir mit einem Menschen, wann mit einem Social Bot oder einer Maschine interagieren.

Diese Zukunftsaufgabe sollte aber den Blick darauf nicht verstellen, was schon erreicht ist. Wir haben seit über 70 Jahren Frieden in Europa. Wir haben mit dem Schengen-Raum nach wie vor offene Grenzen. Wir treiben Handel und können innerhalb der EU dort leben, wo wir es wollen.

Europa ist freilich ein vielstimmiger und vielsprachiger Kontinent. Diese Vielfalt kann uns aber zum Vorteil gereichen, denn Menschen lernen voneinander. Dieses Lernen hat viele Formen: Hier geht es nicht nur um verschiedene Sprachen, Kulturen und Religionen, sondern auch um soziale und demokratische Mindeststandards. 

Dazu gehören auch steuerliche und politische Aufgaben. Wir haben beispielsweise einen Umsatzsteuerkorridor zwischen 16 und 25%. Einen solchen Korridor brauchen wir auch beim Renteneintrittsalter und bei anderen sozialpolitischen Themen. Was wir brauchen, ist nicht ein Europa der Egoisten, sondern ein Europa der sozialen Kohäsion!

Dabei darf auch die Religionsfreiheit nicht vergessen werden. Denn auch die religiöse Landschaft Europas ist vielgestaltig geworden. Voraussetzung für gutes Zusammenleben ist in diesem Kontext die Achtung des anderen und die Achtung vor den anderen. Dies gilt beispielweise für eine Öffentlichkeit, die religionsfähig ist und Religion nicht mit Ignoranz oder Missachtung begegnet. Es gilt aber auch für die Demokratiefähigkeit aller Religionen, von einem demokratiefähigen Christentum bis zu einem demokratiefähigen Islam. Denn gerade als Katholikinnen und Katholiken sollten wir die Kräfte der Mitte, die Stimme der Vernunft und alle Menschen guten Willens stärken. Dann wird auch das schwieriger werdende Zusammenleben gelingen- trotz aktueller Gefahren wie das Rätsel des Brexit, die Migrations- und Integrationskrise, die Staatsschuldenkrise und die Herausforderung durch populistische Strömungen! 

Der Bund Katholischer Unternehmer in Verbindung mit der UNIAPAC als der Vereinigung christlicher Unternehmerverbände in Europa ist jedenfalls bereit dazu, den eigenen Teil entsprechend beizutragen!

 

Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel

Bundesvorsitzender des BKU 
(Bund Katholischer Unternehmer)


Dr. Barbara Hendricks MdB

Dr. Barbara Hendricks MdB von der SPD findet, dass die Bürgerinnen und Bürger in allen europäischen Ländern Flagge zeigen und demokratische Parteien wählen sollen.


Dieter Althaus

Schritte in die Zukunft in und mit Europa zu gehen 

Vor einigen Wochen bei der 55. Münchner Sicherheitskonferenz gab es für sehr viele Redner ein Leitmotiv. Die Welt erlebt sehr starke Veränderungen und es braucht deshalb ganz dringend ein Europa das sich einig und handelnd in dieser Welt präsentiert. Wolfgang Ischinger, der Chef dieser Konferenz brachte das Problem empathisch dadurch zum Ausdruck, dass er zum einen in einem Europa-Pulli auftrat und dass er zum anderen formulierte, das System internationale Beziehung sei „ziemlich kaputt“.

Ich selbst schaue in dieser Zeit wieder auf die Zeit vor 30 Jahren zurück. Das Ende des Kommunismus in Europa haben wir damals gemeinsam erlebt und sehnten uns nach Freiheit, Einheit, dem Ende der ideologischen Indoktrination und Demokratie. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass nur so wenige Jahre nach diesen großen Schritten hin zu Freiheit und Demokratie die Zerrissenheit der Welt wieder zunimmt. Wir brauchen ein starkes Europa, denn nur aus dieser Stärke erwächst die notwendige Kraft, um z.B. die Entwicklungen in Afrika und anderen Regionen dieser Welt aktiv zu unterstützen. Im Zeitalter der rasant voranschreitenden Digitalisierung die verbunden ist mit einer uneingeschränkten Globalisierung wäre ein Rückfall auf eine nationale Politik oder auf kleinkarierten Regionalismus zum Scheitern verurteilt.

Natürlich weiß ich auch um bestehende Sorgen, Sorgen um die eigene Zukunft und die von Europa, die Sorge um die Sicherheit der Rente, die Angst vor Kriminalität und Terrorismus und vieles mehr. 

Die von den Populisten egal ob vom rechten politischen oder vom linken politischen Rand gegebenen Antworten tragen aber nicht und führen in eine politische Sackgasse.

Wir haben als Christen den Mut zu teilen, uns auch einzuschränken und wir haben den Mut bzw. die Kraft, die politisch notwendigen Schritte in die Zukunft in und mit Europa zu gehen. Die Erfahrungen aus dem Sommer und Herbst 1989 motivieren bzw. inspirieren mich zum Einsatz für Demokratie und Freiheit und dafür brauchen wir unser Europa. 

Der thüringische Ministerpräsident a.D. Dieter Althaus ist Vizepräsident Governmental Affairs bei Magna Europe.


Hildegard Müller

Den Herausforderungen des Klimawandels begegnen 

Seit über einem halben Jahrhundert profitieren wir als Europäer nun schon von Frieden, Freiheit, wirtschaftlichem Zusammenwachsen und politischer Kooperation. Das ungehinderte Reisen und Arbeiten innerhalb der Europäischen Union ist für uns – und für mich ganz persönlich – heute ebenso selbstverständlich geworden wie das grenzüberschreitende Einkaufen und Anbieten von Waren und Dienstleistungen. Der gemeinsame europäische Binnenmarkt ist für über 500 Millionen Menschen ein Kernstück der EU und garantiert viele Arbeitsplätze. So hat sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den sechs Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von 1957 bis heute verdreifacht. Wir haben einen Grad an persönlichem Wohlstand und Freiheit erreicht, der damals nicht vorstellbar war. 
Für mich ist der europäische Beitrag zur Energiewende besonders bedeutsam. Grenzüberschreitende Stromtrassen und Gasleitungen machen unsere Energieversorgung sicherer und kostengünstiger. Es wäre eine Illusion, zu glauben, den Herausforderungen des Klimawandels mit nationalen Einzellösungen begegnen zu können. Nur durch die Zusammenarbeit in der EU haben heute alle 28 Mitgliedstaaten wichtige Klima- und Umweltschutzstandards verankert. Der Kurs der EU war prägend für das Pariser Klimaabkommen und so für den weltweiten Klimaschutz. Gerade in Energiefragen braucht es mehr europäische und sektorenübergreifende Lösungsansätze. 
Doch es geht nicht nur um Markt, Wohlstand und Umwelt. Denn Grenzen und Sprachbarrieren werden in der EU jeden Tag wie selbstverständlich überschritten. Hier begegnen sich Menschen. Hier finden ganz persönliche Erlebnisse statt, die individuell verbinden. Europa bleit damit ein Friedensprojekt. Das liegt mir besonders am Herzen. Ein respektvolles Miteinander von Menschen und Staaten, die in vielen – durchaus auch mal anstrengenden – Begegnungen zusammenfinden, sich austauschen, Lösungen, aber auch Freunde finden. 
Ich bin stolz darauf, Bürgerin eines demokratischen und vielfältigen Europas zu sein. Mein Wunsch ist, dies gemeinsam zu verteidigen und weiter zu stärken. 

Die frühere Staatsministerin im Bundeskanzleramt Hildegard Müller ist Mitglied des Vorstands der innogy SE und Sprecherin des Sachbereichs 3 (Wirtschaft und Soziales) des ZdK.